Reinster Dampf für Babymilchpulver

Bei DMK sorgen drei Kessel von Viessmann für Reindampf und Prozesswärme

Bildunterschrift: 16 Tonnen Dampf pro Stunde liefert dieser sonderangefertigte Kessel von Viessmann für die Produktion von Babymilchpulver bei DMK in Strückhausen. Foto: Elevion Gruppe | ETS

Rund eine Autostunde nördlich von Bremen liegt, inmitten grüner Wiesen, ein hochmoderner Milch-Standort: das neue Babynahrungswerk der DMK Group. Als größte deutsche Molkereigenossenschaft verarbeitet die DMK Group (Deutsches Milchkontor) am Standort Strückhausen Milch zu Babymilchpulver. Dieses landet unter der Marke Humana in den Regalen der Lebensmittel- und Drogeriemärkte rund um den Globus. Der Weg von der Rohmilch zum Babymilchpulver ist nicht nur ein anspruchsvoller, sondern auch ein energieintensiver. Neben jeder Menge Prozesswärme braucht es für den Bereich der sterilen Produktion auch hygienisch reinen Dampf. Beides – Prozesswärme und Reindampf – kommt im Werk in Strückhausen von insgesamt drei Viessmann-Dampfkesseln.

Ein wegweisendes Projekt

Der neue Produktionsstandort für Babynahrung wurde 2019 eröffnet. Das bereits seit 1884 bestehende Milchwerk im niedersächsischen Strückhausen wurde in diesem Zuge zu einem hochspezialisierten Werk für Säuglingsmilchpulver aus- und umgebaut. Die DMK Group sieht in der Herstellung von Babymilchpulver einen Markt mit großen Wachstumschancen.

Den Gesamtauftrag für den Komplettumbau hatte der technische Gebäudeausrüster ETS Efficient Technical Solutions GmbH, ein Tochterunternehmen der Elevion Gruppe. Das ETS-Team hat die gesamte Energieerzeugung im Werk geplant, errichtet und in Betrieb genommen: von der Heizung, der Kühlung, über die Prozesswärme in Form von Dampf bis hin zum Reindampferzeuger. Auch die Infrastruktur, die den Molkereibetrieb mit Strom, Hochdruckdampf, Heiß- und Kühlwasser, Druckluft sowie Trink- und Eiswasser versorgt, kam von den national und international tätigen Energiespezialisten. „Für uns war das das größte Projekt in unserer noch jungen Firmengeschichte“, sagt Florian Oberpaul, Mitglied der Geschäftsleitung und Projektleiter der Energiezentrale, die im Babynahrungswerk installiert ist. In den Bereichen für das Trocknen, Mischen und Abfüllen des Babymilchpulvers wurden die Bestandsgebäude komplett entkernt, damit so genannte Haus-in-Haus-Konstruktionen eingebracht werden konnten.

Reindampferzeugung: ein relevanter Punkt im Prozess

Ein besonderes „Puzzlestück des gesamten Projekts“, wie es Oberpaul nennt, war dabei die Auswahl des idealen Reindampferzeugers. „Das Thema Reindampferzeugung wird von vielen oft stiefmütterlich behandelt, nach dem Motto: Das bisschen Reindampf macht sich von allein. Aber so ist es eben nicht. Am Ende des Tages ist die Reindampferzeugung ein entscheidender Hebel für den gesamten Prozess“, betont Oberpaul. Reindampferzeuger dienen der Erzeugung von Reindampf, in dem keine gesundheitsschädlichen Stoffe oder Verschmutzungen enthalten sein dürfen.

Die am Standort Strückhausen eingesetzte Anlage ist eine Sonderanfertigung der Viessmann Industriekessel Mittenwalde GmbH. Der Reindampferzeuger ist Teil der sterilen Produktion von Konzentraten im Babynahrungswerk und musste deshalb komplett aus Edelstahl gefertigt sein. „Sogar die heizdampfseitige Verrohrung und die Armaturen mussten in Edelstahl ausgeführt werden; das war schon eine Besonderheit“, betont Steffen Bartels, Projektverantwortlicher bei Viessmann Industriekessel Mittenwalde.

Reindampferzeuger im Baukastensystem

Eine weitere Anforderung für den Reindampferzeuger: Er musste möglichst kompakt sein – eine Art Baukastensystem. „Die Forderung nach dem Reindampferzeuger kam erst sehr spät im gesamten Planungsprozess; der Bau in Strückhausen war schon weit fortgeschritten. Wir mussten den Reindampferzeuger per Kran über eine Öffnung durch die Fassade des Gebäudes einbringen. Deshalb musste er besonders kompakt sein“, verdeutlicht der ETS-Projektleiter. Für die Spezialisten von Viessman kein Problem: „Sonderanlagen sind unser Alltagsgeschäft“, so Bartels, „und wenn höhere Dampfqualitäten gebraucht werden, sind wir Profis“.

Höchste Dampfqualitäten sind in der Herstellung von Babymilchpulver ein absolutes Muss. Die Hygienestandards im sterilen Produktionsbereich im Werk in Strückhausen gleichen denen eines Pharmaunternehmens. Deshalb muss nicht nur der Reindampferzeuger an sich, sondern auch dessen Speisewasser besondere Hygieneanforderungen erfüllen. In der Sonderanlage in Strückhausen kommt ausschließlich vollentsalztes Wasser (VE-Wasser) gemäß DIN EN 285 zum Einsatz, das nahezu chemisch rein ist.

Prozesssicherheit für die Herstellung von Säuglingsnahrung

Der Reindampferzeuger von Viessmann arbeitet mit 8,0 bar Überdruck, einer Temperatur von 175 °C und liefert so pro Stunde 2.500 kg reinen Dampf. Die Druckschwankung der Anlage liegt bei unter zehn Prozent, der Feuchtigkeitsgehalt des Reindampfs bei unter 3,5 Vol.-%. Ein integrierter thermischer Hochdruck-Speisewasser-Entgaser verhindert, dass sich nicht-kondensierbare Gase anreichern und die Wirksamkeit der Sterilisation beeinträchtigen. Eine automatische Entlüftung des Entgasers minimiert darüber hinaus Stillstands- und Leckverluste.

„Prozesssicherheit steht bei der Herstellung von Babynahrung an oberster Stelle; hier gibt es keine Fehlertoleranz. Wir stellen demnach höchste Ansprüche an Mensch und Maschine“, betont Thomas Dilissen, Projektmanager bei der DMK Group. Aus diesem Grund sind alle wesentlichen Komponenten der Anlagentechnik redundant ausgeführt – bis auf die des Reindampferzeugers. Darüber hinaus setzt DMK auf modernste Technik für vollautomatische Prozesse sowie eine kontinuierliche und umfassende Prozessdatenaufzeichnung. Im Falle eines Falles kann das Hightech-Werk Produktionsspitzen umliegender Werke abfangen und bei Störungen einspringen.

Zwei Dampfkessel von Viessmann sorgen für Prozesswärme

Wärme für den Reindampferzeuger liefern zwei Dampfkessel. Sie sind Sonderanfertigungen nach dem Entwurf von Viessmann Industrial Boiler Solutions mit Sitz in Dillenburg. Die beiden Dampfkessel für die Prozesswärme arbeiten mit einem Druck von 27 bar, einer Temperatur von 192 °C und versorgen das Werk mit jeweils 16 Tonnen Dampf pro Stunde. Fünf Prozent der so erzeugten Wärme gehen in den Reindampferzeuger. 95 Prozent fließen in den gesamten Prozess, der notwendig ist, um der Milch, die zu 87 Prozent aus Wasser besteht, das Wasser zu entziehen und zu Milchpulver zu verarbeiten (mit einem Feuchtigkeitsgehalt von rund 3%).

Das der Milch entzogene Wasser wird im Werk in Strückhausen gereinigt und anschließend genutzt, um Arbeitsmaterial zu säubern. Auch der Großteil der Prozessenergie fließt in den Produktionskreislauf zurück, was Energie spart. Sowohl aus Umwelt- als auch aus Hygienegründen stellt DMK die Verpackung für sein Humana-Babymilchpulver vor Ort in Strückhausen her. Die Milch stammt laut DMK aus gentechnikfreier Fütterung und der Standort Strückhausen, der mitten im Erzeugergebiet Weser-Ems liegt, bietet den idealen Zugang zur Rohmilchquelle. Das Babynahrungswerk läuft im Dreischichtbetrieb, sieben Tage die Woche. Rund 160 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeiten auf dem Gelände.

Autorin: Sabrina Deininger

 

This website uses cookies to improve your experience. We'll assume you're ok with this, but you can opt-out if you wish. Accept Read More

Privacy & Cookies Policy